Liebe Fans!


Immer wieder erreichen mich viele Anfragen von Eltern, die gern ein Kind aus dem Waisenheim Bal Vikas in Bombay/Indien adoptieren wollen, aus welchem ich meine Tochter Nisha (7) vor sechs Jahren adoptierte. Über all diese interessierten Anfragen freue ich mich natürlich sehr, denn ich bin der Meinung, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als einem Waisenkind ein Zuhause zu schenken. Eine Adoption ist meiner Meinung nach längst nicht so kompliziert wie es viele Gerüchte behaupten, aber dennoch sollte man sich einiger bürokratischen Dinge bewusst sein.

Mir ist es leider nicht möglich allen ausführlich zu antworten, so dass ich die am häufigsten gestellten Fragen hiermit beantworten möchte:
Grundsätzlich kann eine Adoption im Ausland nur dann eingeleitet werden, sobald alle Adoptionsformalitäten hier in Deutschland abgeschlossen sind und Sie eine Adoptionsgenehmigung erhalten haben.
Diese Adoptionsgenehmigung stellt Ihnen das Jugendamt des Ortes aus, in welcher Sie Ihren ersten Wohnsitz gemeldet haben. Ohne eine Adoptionsgenehmigung der hiesigen Behörden können Sie weder in Deutschland noch im Ausland ein Kind adoptieren.
Wer in Deutschland den ersten Wohnsitz hat muss nach deutschem Adoptionsrecht verheiratet sein. Alleinstehende Frauen dürfen somit nicht adoptieren. Als ich meine Tochter damals adoptierte war ich verheiratet. Heute bin ich geschieden und müsste erst wieder heiraten um ein weiteres Kind adoptieren zu dürfen, oder aus Deutschland wegziehen.
Nach indischen Behörden muss man nicht verheiratet sein. Wer z.B. seinen ersten Wohnsitz in Spanien, Dänemark, etc. hat, kann problemlos in Indien adoptieren
Wer bereits vom zuständigen Jugendamt eine Adoptionsgenehmigung erhalten hat, kann sich direkt an das indische Waisenhaus wenden:
Bal Vikas Shishu Welfare Trust of India, 102, Shishu Bhavan in 400 097 Mumbai, Indien. Die Heimleiterin heißt Mrs. Jaisita Panigrahi und spricht fließend englisch aber kein deutsch.
Sie erreichen Mrs. Jaisita Panigrahi per e-Mail unter: balvikas@vsnl.com
Bitte denken Sie auch bei den anderen Formalitäten daran, dass in Indien die Verkehrssprache Englisch ist. Zum Glück nicht Hindi, das vereinfacht vieles.
Andere Sprachschwierigkeiten habe ich oft gehört von Familien, die in China adoptieren wollten. Ich selbst bin übrigens nicht über eine Agentur gegangen, sondern habe mich selbst an jenes Waisenhaus gewandt.

Das erste Mal bin ich nach Bombay geflogen, um mir vor Ort anzusehen, wie das Heim geleitet wird. Ich war inzwischen mehr als zehn mal dort und ich kann Ihnen über Bal Vikas Folgendes sagen:
Es leben dort circa 100 Mädchen im Alter von 0-5 Jahren. Die Mädchen leben natürlich nicht im Luxus, aber für indische Verhältnisse ist es recht sauber und vor allem werden die Kinder nicht misshandelt, sondern die indischen ehrenamtlichen Helferinnen versuchen jedem Kind ein paar Minuten am Tag ein bisschen Wärme, Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken.
In das Waisenhaus Bal Vikas kommen die Mütter (meist junge Mädchen aus den Slums) wenn sie hochschwanger sind, um dort vor Ort zu entbinden. Nach der Entbindung müssen die Mütter 10 Tage stillen und dann sieht die Realität meistens so aus, dass die Mütter welche Jungs auf die Welt bringen die Kinder mitnehmen und die Mädchen bleiben im Heim. Um ein Kind aus Indien zu adoptieren, sollte Ihnen grundsätzlich bewusst sein, dass es fast ausschließlich Mädchen sind, die in den Waisenhäusern leben und zur Adoption freigegeben werden. Sollten Sie einen Jungen adoptieren wollen, so ist Indien definitiv das falsche Land für Sie.
Die ersten 2 Monate ist das Kind im Waisenheim nicht zur Adoption frei, falls die Mutter es sich anders überlegt und doch noch zurückkommt um ihr Kind abzuholen. Die nächsten sechs Monate ist das Kind frei zur Adoption, allerdings nur für indische Familien, da man dem Kind die Chance geben will, in seiner Heimat aufzuwachsen.
Leider eine sehr utopische Idee, da keine indische Familie ein zwei Monate altes Baby adoptiert und vor allem kein Mädchen. Erst ab acht Monaten sind die Kinder frei zur ausländischen Adoption. Und oft finden die Kinder dann kein Zuhause mehr, da die meisten Familien nur Neugeborene adoptieren wollen. Die Kinder bleiben dann in dem Heim, warten auf ein Zuhause und falls die Heimleiterin kein Zuhause für die Kinder findet, dann landen die Kinder irgendwann mit circa 5 Jahren auf der Strasse.
Meine Tochter Nisha war genau 12 Monate alt, als ich sie adoptierte.
Sie war ein kleines indisches Mädchen, dass niemand haben wollte.
Jedes Jahr besuchen Nisha und ich ihr Waisenheim in Bombay. Sie weiß genau wo sie ihr erstes Lebensjahr verbracht hat. Sie kennt ihre Vergangenheit und jedes Mal wenn wir ihre kleinen Freundinnen in Indien besuchen, dann sagt sie:
„Mama, die anderen Kinder wohnen noch immer bei Jaisita im Heim. Können wir nicht noch ein Kind mit nachhause nehmen oder eine Mami für sie suchen?"
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihnen mein Brief keine Angst gemacht hat, sondern Sie sogar noch mehr motiviert diesen großen Schritt der Adoption zu gehen.

Für alle, die diesen eventuell langwierigen (maximal ein Jahr!) Adoptionsprozess noch vor sich haben, darf ich aus eigener Erfahrung sagen: "Einem Waisenkind ein Zuhause zu schenken ist das größte Glück dieser Welt"


Herzlichst
Jessica Stockmann